Mobile Praxis
für
Hundephysiotherapie und Hundeosteopathie

Christiane Strümer

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In Erinnerung an Chelsea 22.November 1999 - 23. März 2009

Kleine Prinzessin nun ist deine Ära nach 9 Jahren beendet.

Du warst unser Traum von einem Dobermann, super lieb, verschmust, bildhübsch, immer fröhlich und gut gelaunt, ein alberner Quatschkopf, der uns immer zum Lachen gebracht hat. Auch wenn es mitunter nicht immer einfach war. Du warst mein Seelenhund, wir verstanden uns ohne Worte. Kein anderer Hund wird dich jemals ersetzen können. Du hast nicht nur mir soviel beigebracht. Auch anderen hast du gezeigt, was für tolle Hunde ihr Dobis seid. Extra für dich und deine Zipperlein habe ich die Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin gemacht und so meinen Traumberuf gefunden. Ich und viele Patientenhunde danken dir dafür.

Deine zahlreichen Knochenprobleme haben wir mit der Physiotherapie und der Akupunktur immer gut im Griff gehabt. Du hast nie gemurrt und alle Therapien freudig und mit viel Spaß mitgemacht. Du weißt, dass wir immer alles für dich getan, keine Kosten und Mühen gescheut haben, damit es dir gut geht und du ein schönes Hundeleben hast.

Mit dem plötzlich auftretenden Krebs und dem so schnellen Abschied haben jedoch auch wir nicht gerechnet. Aber der Milztumor und die Metastasen in der Lunge ließen auch uns kapitulieren und wir konnten nichts anderes mehr tun, als dir den Weg über die Regenbogenbrücke zu erleichtern.

Wir hoffen, du bist gut im Land des Regenbogens angekommen und hast auch dort eine Menge Spaß und viele Freunde. Wir werden dich nie vergessen, du warst einmalig. Du fehlst uns hier unten sehr. Aber irgendwann sehen wir uns wieder.

Frauchen und Herrchen

Chelsea - das Leben eines Second-Hand-Dobis

Wie wir zum Dobermann kamen

Auf der Suche nach einem sportlichen, mittelgroßen, pflegeleichten Hund sind mein Mann und ich auf den Dobermann gestoßen. Er schien für uns das Idealbild eines bewegungsfreudigen Hundes zu sein, der uns beim Reiten, Joggen, Radfahren und sonstigen Freizeitaktivitäten begleiten sollte.
Nach diversen Ausstellungsbesuchen und Gesprächen mit Züchtern und Dobermannbesitzern haben wir schnell erkannt, dass der Dobi ganz und gar nicht den üblichen Vorurteilen entsprach, die man dieser tollen Rasse gegenüber hatte.
Da wir gerne einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause geben wollten, begann unsere bundesweite Suche nach einer jungen, unkupierten Hündin. Wir fanden Chelsea schließlich in einem Tierheim in der Nähe von Heidelberg.
Dort wurde beinahe ein ganzer Wurf Dobermannwelpen abgegeben, weil er unkupiert nicht zu verkaufen war. Die Hunde waren 5,5 Monate alt und hatten ihr bisheriges Leben isoliert in einem Keller verbracht.
Chelsea war die einzige Hündin. Ein klapperdürres, viel zu großes, panisches Häufchen Elend, das jegliche Berührungen mit ängstlichem Zittern über sich ergehen ließ. Sie hatte am ganzen Körper Narben und Macken, ging freiwillig keinen Schritt vorwärts, sondern musste getragen werden.
Nein, sie war sicherlich nicht der Hund, den wir uns als neues Familienmitglied erträumt hatten. Ich konnte mir schwerlich vorstellen, dass aus diesem verschreckten, scheuen und ängstlichen Rehlein mal unser Traumhund werden sollte.
Aber ihren sanften und lieben Augen konnten wir nicht widerstehen und so haben wir unsere Prinzessin mit nach Hause genommen.

Die erste Zeit und die Landeshundeverordnung NRW

Chelsea musste in den ersten Tagen bei uns eine ganze Menge lernen.
Laut Tierheim war sie mit ihren 12 (!!!) Wurfgeschwistern und den Elterntieren ab der 6.Lebenswoche im Keller gehalten worden, da 15 Hunde im Haus zuviel gewesen seien.
Chelsea hatte bisher absolut nichts von der Welt gesehen, hatte Angst vor ihrem eigenen Schatten, fürchtete sich vor unseren frei fliegenden Wellensittichen im Arbeitszimmer, kannte keinen Rasen, keine Bäume, keine Treppen, geschweige denn andere Tiere, Menschen, Fahrräder, Autos etc. Sie hatte einfach vor allem Neuen nur schreckliche Angst!
Zu ihrem und unserem Glück war sie aber unheimlich verspielt. Nachdem sie die Wohnung und ihr Spielzeug begutachtet hatte war der Bann zu uns gebrochen. Sie spielte und tobte durch die ganze Wohnung, als wenn sie die vergangenen Monate im Keller schnell vergessen wollte. Sie war sofort unheimlich anhänglich und verschmust und ein richtiger kleiner Schatten. Sie war sehr intelligent und lernbegierig und konnte die einfachen Grundkommandos (sitz, platz, komm, bleib) innerhalb weniger Tage.
Draußen sah die Sache jedoch ganz anders aus. Sie zuckte bei jedem Geräusch und jeder Bewegung zusammen, ging nur sehr zögerlich wenige Schritte vorwärts.

Aufgrund ihres Verhaltens hätte sie eigentlich noch in eine Welpenspielgruppe gehört, aber keine Hundeschule wollte einen 6-monatigen Dobermann in eine Welpengruppe aufnehmen.
Also organisierte ich private Treffen, damit Chelsea ausreichend Hundekontakte bekam und ihre fehlende Sozialisierung zumindest etwas aufarbeiten konnte.

Dann kam im Sommer 2000 leider der schreckliche Vorfall in Hamburg, bei dem zwei Pitbulls einen 6-jährigen Jungen zu Tode gebissen hatten. Hunderassen wurden in 'schnell gemachten' Hundeverordnungen wahllos auf eine 'Liste gefährlicher Hunde' gesetzt und mussten plötzlich mit Leine und Maulkorb ausgeführt werden.
In NRW gehörte auch der Dobermann zu den "potentiell gefährlichen Hunden" und wurde auf die Liste 2 gesetzt...
Chelsea war 7 Monate alt... und immer noch ein ängstliches Ewas...
Der darauf folgende Kontakt zu verschiedenen Hundeschulen, Vereinen etc. gestaltete sich recht schwierig. Keiner wollte einen ängstlichen Tierheimdobi für eine Begleithundeprüfung in einen Kurs aufnehmen. Man hatte scheinbar Angst, seinen guten (???) Ruf zu verlieren, wenn so ein Hund durchfallen würde. Sogar Dobermann"experten" rieten mir dazu, Chelsea zurück ins Tierheim zu bringen und keine Zeit und Geld in sie zu investieren.
Sie würde sicherlich nie eine Leinen- und Maulkorbbefreiung bekommen. Also bereitete ich sie weiterhin privat auf die BH-Prüfung vor und fand schließlich doch eine Hundeschule, wo Chelsea mit 14 Monaten die Prüfung erfolgreich bestanden hat.
Da sie für eine entgültige Leinen- und Maulkorbbefreiung bei Ablegung der BH-Prüfung noch zu jung (!!!) war, musste sie mit 20 Monaten in einem Wesenstest und VDH-Teamtest noch einmal beweisen, dass sie auch dauerhaft gehorsam und sozial kompatibel war.
Meine schüchterne Prinzessin hat alle Situationen mit Bravour und ohne jegliche Anzeichen von Aggressivität gemeistert und bekam ihre lebenslange Leinen- und Maulkorbbefreiung. Ich war mächtig stolz auf meinen Angsthund.
Kleine Bemerkung am Rande: Seit dem 01.01.2003 gibt es in NRW das Landeshundegesetz und der Dobermann wurde von sämtlichen Listen gestrichen... und ist nur noch das, was er eigentlich immer war, ein liebenswerter temperamentvoller und anhänglicher Familienhund!

Chelseas Krankheitsgeschichte

  • Hüftgelenksdysplasie, Spondylose, Blutgerinnungsstörung, Dermatitis

Zu Chelseas anfänglichen Verhaltensproblemen gesellten sich auch schon früh diverse gesundheitliche Probleme. Neben immer wiederkehrenden Pickeln mit dazugehörigem Juckreiz, fing sie mit 10 Monaten plötzlich stark zu lahmen an. Laut Tierarzt eine 'normale' Wachstumsstörung, die nach der nötigen Ruhe wieder verschwinden würde.
Mit 12 Monaten mussten wir Chelsea kastrieren lassen. Obwohl ich es eigentlich nicht wollte, einem Hund ohne medizinische Indikation ein gesundes Organ entnehmen zu lassen. Aber diese Auflage vom Tierheim war damals leider nicht zu umgehen und da Chelsea ein "Listenhund" war, biss ich in den sauren Apfel. Lieber die Kastration, als dass man mich als Hundehalter im Sinne der Landeshundeverordnung evtl. für nicht geeignet zur Haltung eines Anlagehundes gehalten hätte
Da Chelsea schon mal in Narkose lag wurde auch ihre Hüfte geröntgt. Die Diagnose lautete 'beidseitig schwere Hüftgelenksdysplasie'.

Nach diesem Schock folgte der nächste. Bei der Kastration wäre unser Mädel fast verblutet, da eine bisher nicht bekannte Blutgerinnungsstörung festgestellt worden war. Anschließende Bluttests ergaben, dass die Gerinnungsstörung (von Willebrand-Syndrom) bei kleineren Verletzungen wohl nicht lebensbedrohlich werden dürfte, aber größere Operationen möglichst vermieden werden sollten...
Die verschiedensten Medikamente führten bei Chelseas ständig wiederkehrenden Lahmheitsproblemen leider zu keinem bleibenden Erfolg.
Außerdem schien es mir nicht sehr sinnvoll einen 15 Monate alten Hund für den Rest seines Lebens mit Schmerzmitteln voll zu stopfen. Eine OP war ja leider nicht möglich. Also suchte ich nach Alternativen und fand als dauerhafte Schmerztherapie die Goldakupunktur/Goldimplantation sehr geeignet, um Chelsea die Chance auf ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. So wurde sie mit 19 Monaten, im August 2001 bei Tierarzt Schulze in Kamen 'vergoldet'. Leider stellte dieser fest, dass Chelsea nicht nur beidseitige HD, sondern auch bereits Spondyloseansätze im Lendenwirbelbereich, genauer im Übergang vom letzten Lendenwirbel zum Kreuzbein hatte. Also gab es auch im gesamten Lendenwirbelbereich Goldimlantate.
Die Goldakupunktur hatte bei Chelsea zum damaligen Zeitpunkt aber leider auch nicht die erhoffte Wirkung. Ihre Probleme wurden zwar etwas besser, aber beschwerdefrei wurde sie nicht.

Ich suchte also nach weiteren Möglichkeiten, um Chelseas Beschwerden zu lindern.
Da auch Chelseas Juckreiz und die Pickel, trotz verschiedener hochwertiger Trockenfuttermittel immer wiederkehrten, eine Hautbiopsie schließlich ans Licht brachte, dass sie eine erblich bedingte Dermatitis unbekannter Ursache hatte, habe ich mich Ende 2002 dazu entschlossen, sie auf Frischfleischfütterung = BARF (Biologisch artgerechte Rohfütterung) umzustellen.

Das frische Fleisch, Obst, Gemüse und diverse Zusätze zur Unterstützung der Gelenke (u.a. Knorpelschutzmittel=Chondroprotektiva wie Glycosamin, Chondroitin, Hyalorunsäure, Kollagenhydrolysat, verschiedene Vitamine und Öle) bewirkten endlich, dass mein Mädel nahezu beschwerdefrei wurde.
Ihr ging es sogar so gut, dass wir uns Ende 2003 dazu entschlossen haben, evtl. einen ruhigen Zweithund ins Haus zu holen.

  • Phoebe, unser Pflegehund

So kam Anfang Januar 2004 eine kleine 3-jährige, mallorquinische Ratero-Pinscher-Mixhündin als Pflegehund zu uns mit der Option bleiben zu dürfen, wenn sie und Chelsea sich verstehen würden.

Leider war die kleine Phoebe nicht der beschriebene ruhige, hundeverträgliche Zweithund, sondern ein hyperaktiver, besitzergreifender und unverträglicher Flummi, der Chelsea nur durch die Gegend gescheucht und nicht eine Minute in Ruhe gelassen hat. Chelsea hatte nur Angst vor Phoebe, traute sich nicht mehr in ein Zimmer, wenn der kleine Wirbelwind dort drin war. Dies gipfelte leider darin, dass Chelsea auf der Flucht vor Phoebe auf einem Feld in ein Kaninchenloch getreten ist und sich dabei die rechte Achillessehne abgerissen hat. Phoebe hatte unter diesen Umständen leider keine Chance auf eine Zukunft bei uns.
Zum Glück konnten wir sie als Dritthund auf einen Bauernhof in eine hundebegeisterte Familie mit 2 Kindern und 2 weiteren Hunden vermitteln und wir konnten uns mit Chelsea auf den Weg einer langen Rehabilitation machen.

  • 11.01.2004, erster Achillessehnenriss, Arthrose

Nach dem Abriss der Sehne musste zunächst geklärt werden, ob Chelsea mit der Blutgerinnungsstörung überhaupt operiert werden konnte. Außerdem wurden die Hüfte und Wirbelsäule noch einmal zur Kontrolle geröntgt, um zu sehen, in wieweit sich ihr gesamter Bewegungsapparat verschlechtert hatte.
Leider stellte sich heraus, dass an beiden Hüften bereits starke Arthrosen vorhanden waren.

Das Komplikationsrisiko für die Sehnenoperation war also recht hoch, aber es gab´ keine andere Wahl.
Chelsea sollte, nach Abklingen der akuten Entzündung und der Schwellung im Bereich der Abrissstelle am Fersenbein, einen Fixateur Extern bekommen.
Dieses Drahtgestell, was außerhalb des Hundes angebracht werden sollte, sollte das Sprunggelenk versteifen und so der angenähten Sehne die Möglichkeit geben, in Ruhe zu heilen.
Beides, das Annähen der Sehne und die Anbringung des Fixateur Externs sollten in einer Operation, ca. 10 Tage später erfolgen. Bis dahin sollte eine Hartplastikschiene an der Außenseite incl. Verband für die Ruhigstellung des Beines sorgen.

Leider verursachte diese Schiene bei Chelsea schon am zweiten Tag, trotz dicker Polsterung am Fersenbein und an der Pfote Drucknekrosen. Meine Bedenken zu dieser Schiene in Bezug auf Chelseas extreme Hautempfindlichkeit, die wir ja in den Jahren vorher mit Chelseas Pickeln feststellen durften, wurden von den Tierärzten leider nicht ernst genommen. Nach einem Wechsel der Schiene auf die Beininnenseite gab es auch da Druckstellen. Da die Tierärzte ratlos waren, Chelsea nur noch Angst vor den täglichen Verbandswechseln hatte, haben wir die Sache nach 4 Tagen selbst in die Hand genommen und die Verbände selbst gewechselt und gepolstert. So ist es zu keiner weiteren Nekrose gekommen und unser Mädel hatte beim Wechseln der Verbände weder Stress noch Schmerzen.
Leider waren die bereits vorhandenen Drucknekrosen so schlimm, dass sie bis auf den Knochen des Fersenbeins reichten, was im Laufe der Monate zu weiteren Komplikationen führen sollte.
Zu Chelseas Blutgerinnungsstörung gesellte sich leider auch noch eine Wundheilungsstörung, so dass der Termin für die geplante Operation zunächst einmal verschoben wurde. Der Tierarzt wollte den Fixateur Extern schließlich durch den Knochen des Schienbeins und des Fersenbeins anbringen, welches aber grade im Begriff war, sich aufzulösen
Da die Nekrosen nicht so heilten wie die Tierärzte sich das vorstellten, wurde Chelsea in einer ersten Operation zunächst nur die Achillessehne am Fersenbein angenäht.
Als man in der Tierklinik nach Wochen endlich einsah, dass man meine Bedenken bzgl. Chelseas Hautempfindlichkeit wohl besser ernst genommen hätte, entschloss man sich schließlich den Fixateur Extern anzubringen, indem man ihn am Schienbein und den Mittelfußknochen befestigte.
Vier Wochen nach der ersten OP und insgesamt 6 Wochen nach dem Achillessehnenriss wurde Chelsea schließlich ein zweites Mal operiert.
Dass die Drucknekrosen zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht abgeheilt waren, brauche ich sicher nicht zu erwähnen.
Tests bzgl. der Wundheilungsstörung (Schilddrüse und Diabetes) brachten jedoch keinen Hinweis, warum Chelsea solche Probleme hatte.

Dieser Fixateur Extern sollte nun mindestens 12 Wochen am/im Hund verbleiben, damit die Sehne ohne Zug ausgesetzt zu sein, in Ruhe verheilen konnte.
Wir haben zweimal täglich den Verband gewechselt, die Nagellöcher des Fixateurs desinfiziert und die Drucknekrosen behandelt. Beim Kontrollröntgen 1 Monat später stellte sich heraus, dass es durch die große Nekrose im Fersenbereich zu einer Knochenhautentzündung und leider auch zu Knochenschwund im Fersenbein gekommen war!

Chelseas Bewegung war weiterhin bis auf ein Minimum eingeschränkt. Es ging lediglich immer nur kurz in den Garten, um die nötigen Geschäfte zu verrichten. Dabei konnte sie das kaputte Bein aber relativ gut belasten.
Auch war sie eine sehr geduldige Patientin, die trotz der Ruhigstellung immer gut gelaunt und fröhlich blieb. Ich beschäftigte sie aber auch sehr viel, mit Schnüffelspielen, Kaustangen etc.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich auch die erste Bekanntschaft mit der Hundemassage und dem TTouch.
Um Chelsea die Angst vor Tierärzten und Berührungen durch Fremde zu nehmen, machte ich sogar während der Reha noch einen Kurs von Linda Tellington Jones (TTouch und Tellington Training).

Mitte April 2004 lief Chelsea von einem auf den anderen Tag plötzlich dreibeinig und benutzte das Bein überhaupt nicht mehr. In der Tierklinik stellte sich heraus, dass der Fixateur gebrochen warMaterialermüdung!!!
In einer Not-OP wurde er entfernt, nach nur 9 Wochen.

Chelsea musste weiterhin komplett ruhig gestellt werden, ohne Fixateur und ohne Stützverband für die Sehne. Nachdem es über 3 Monate gedauert hatte, bis die Drucknekrosen abgeheilt waren, sah man in der Tierklinik auch endlich ein, dass ein neuer Verband zu riskant gewesen wäre und wahrscheinlich erneut zu Komplikationen geführt hätte.
Nach weiteren Wochen der relativen Ruhigstellung konnten wir Mitte Mai endlich mit langsamen Aufbautraining anfangen.
Ich begann mich für die Tierphysiotherapie zu interessieren, hielt ich es doch für sehr sinnvoll, die Rehazeit unter professioneller Begleitung zu beginnen.
Die Tierärzte der behandelnden Tierklinik hielten gar nichts von dem Thema, im Gegenteil. Sie belächelten meine Gedanken nur und ich konnte keinerlei Unterstützung von dieser Seite erfahren.
Ich begann das Training also zunächst allein, recherchierte jedoch auch im Internet und konnte schließlich im Herbst 2004 Kontakt zu Katrin Vosswinkel (damals noch Katrin Blümchen) knüpfen.
Sie leitet in Kirchlengern die Abteilung Nord der Ersten Deutschen Ausbildungsstätten für Hundphysiotherapie.
Ich fuhr daraufhin einige Male zu Katrin Blümchen und ließ´ mich in Massage und einem individuellen Training für Chelsea anleiten. Mein eigenes Rehabilitationsprogramm war bisher scheinbar von mir auch so gut ausgewählt und durchgeführt worden, so dass Chelsea unter den gesamten Umständen in einem recht guten gesundheitlichen Zustand war.
Nach weiterem Aufbautraining war Chelsea Ende 2004 wieder komplett fit.
Da die extremen Störungen mit Chelseas Wundheilung mir jedoch keine Ruhe ließen, wurden erneut ihre Schilddrüsen- und Diabeteswerte getestet. Zum zweiten Male ohne besondere Auffälligkeiten. Wahrscheinlich hing die Wundheilungsstörung mit der Blutgerinnungsstörung und der Hauterkrankung zusammen.
Die folgenden 2 Jahre, 2005 und 2006 verliefen ohne besondere gesundheitliche Probleme.
Natürlich mussten wir auf Chelseas Arthrose, die Spondylose und die Sehne etwas Rücksicht nehmen, aber trotz allem konnte unser Mädel diese 2 Jahre in vollen Zügen genießen. Sie konnte zwar keine Sportkarriere machen, war dafür aber die beste Haushaltshilfe ;-), die man sich denken konnte.

Wir unternahmen viel mit ihr, machten den ein oder anderen Kurzurlaub und verwöhnten sie nach Strich und Faden. Sie war so fit, dass sie sogar wieder am Pferd mitlaufen konnte. Natürlich an der Flexileine, so dass ich das Tempo und vor allem den Untergrund bestimmen konnte. Schließlich wollte ich, dass der gute gesundheitliche Zustand unserer Prinzessin so lang wie möglich anhält. Dabei half mir weiterhin, die Physiotherapie, die ich jedoch bis dahin nur ansatzweise beherrschte. Da ich von dieser Art der Gesundheitsunterstützung und Therapie so begeistert war, entschloss ich mich im Sommer 2006 die Sache endlich professionell anzugehen. Ich meldete mich schließlich zur Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin bei den Ersten Deutschen Ausbildungsstätten für Hundephysiotherapie an und konnte den Beginn der Ausbildung im Februar 2007 kaum erwarten.

  • Januar 2007, Canines Wobbler-Syndrom, Cauda-Equina-Syndrom und Schilddrüsenunterfunktion

Anfang Januar 2007 gab´ es dann aber erneut gesundheitliche Probleme. Chelsea lief mir einmal in die Schleppleine und schrie´ dabei plötzlich auf. Ich war sehr besorgt, da ich solche Schmerzäußerungen von ihr überhaupt nicht kannte.
Als Dobermann war sie bisher immer sehr hart im Nehmen gewesen und hat nie gezeigt, wenn ihr etwas wehgetan hat. Allerdings konnte man bei ihr nirgendwo eine Verletzung oder ähnliches feststellen. Sie lief abends lediglich sehr verspannt durch die Gegend, trug ihren Kopf recht tief und machte einen sehr traurigen Eindruck. Ich ahnte bereits fürchterliches
Nach dem zweiten Aufheulen, welches sie am nächsten Tag schon prophylaktisch gezeigt hat, als ich sie ins Auto heben wollte, war ich direkt mit ihr beim Tierarzt.
Dort zeigte sie natürlich wieder nichts, sie war nur seeeehr verkrampft.
Die Tierärztin vermutete jedoch aufgrund meiner Beschreibungen und Chelseas verkrampfter Haltung, dass Chelsea am Wobbler-Syndrom litt.
Dies ist ein Krankheitskomplex, der verschiedene Veränderungen an der Halswirbelsäule beschreibt, die zu einer Verengung des Wirbelkanals und so zu Kompressionen der Nerven im Rückenmark führen. Dieser Druck auf die Nerven führt zu Bewegungsstörungen und ist für den Hund sehr schmerzhaft.
Chelsea bekam also zunächst Schmerzmittel, bis wir zur genauen Diagnostik in eine Tierklinik fahren konnten.
Am folgenden Tag ist Chelsea auf den Fliesen in der Küche beim Umdrehen plötzlich ausgerutscht. Sie machte eine Grätsche und kam anschließend nicht mehr auf die Beine. Wir waren beide sehr erschrocken und ich musste sie in ihr Körbchen tragen. Ihr rechtes Hinterbein (das Achillessehnenbein) war komplett gelähmt, das linke Hinterbein zeigte auch starke neurologische Ausfallerscheinungen. Sie konnte nur mit Unterstützung aufstehen und stehen. Laufen war kaum möglich, zog sie doch das gelähmte Bein hinterher und hatte auf dem anderen Bein recht starke Koordinationsprobleme. Ich rief sofort in der Tierklinik an, in welcher wir 10 Tage später einen Termin zum CT bzw. MRT haben sollten. Leider konnten wir dort keinen früheren Notfalltermin bekommen, so dass ich mich auf Empfehlung anderer Dobermannhalter, die auch einen "Wobbler-Hund" hatten, an eine Chiropraktik-Tierärztin in Frankfurt wendete.
Bei der Vorstellung am nächsten Tag konnte die Tierärztin bereits einige leichte Wirbelblokaden bei Chelsea lösen und sie empfahl mir, sofort mit der Physiotherapie zu beginnen. Zum Glück begann meine Ausbildung in Kürze, so dass ich mir direkt am Einführungstag, der 2 Tage später sein sollte, wertvolle Tipps für Chelseas weiterführende Behandlung holen konnte.
Sabine Wosslick, die Ausbilderin in der Ausbildungsstätte Süd, hat sich Chelsea genau angesehen und mir ein ausführliches Behandlungsprogramm mit nach Hause gegeben. Mit Unterstützung und weiteren Behandlungen durch die Chiropraktik-Tierärztin besserte sich Chelseas Zustand von Tag zu Tag sehr deutlich. Konnte sie am Anfang wegen der Lähmungserscheinungen gar nicht allein aufstehen, war sie 10 Tage später, zu unserem Termin in der Tierklinik schon wieder so fit, dass sie alleine laufen konnte!
Die täglichen physiotherapeutischen Übungen beschränkten sich nicht nur auf die Wiederherstellung der nervlichen Funktionen, sondern sollten auch verhindern, dass Chelsea zu viele Muskeln abbauen würde. Sie kannte einen Großteil der Übungen ja bereits von ihrer Achillessehnengeschichte und machte wieder mit Feuereifer und sehr viel Spaß mit.
Bei der anschließenden Untersuchung in der Tierklinik konnten die Ärzte kaum glauben, dass Chelsea knapp 14 Tage zuvor keinen Meter allein laufen konnte.
Leider ergaben die Untersuchungen und Tests, dass Chelsea nicht nur unter dem Wobbler-Syndrom litt, sondern dass sich inzwischen bei ihr auch ein Cauda-Equina-Kompressionssyndrom entwickelt hatte. Auch dies ist ein neurologischer Krankheitskomplex, der im Übergangsbereich vom letzten Lendenwirbel zum Kreuzbein zu einer Kompression der dortigen Nerven, den Cauda-Equina-Nerven führt. Ursächlich bei Chelsea waren dafür die bereits seit jungen Jahren vorhandenen Spondylosen in diesem Bereich. Die Symptome sind ebenfalls neurologische Ausfallerscheinungen in der Hinterhand, die im fortgschrittenen Stadium bis zur Lähmung führen können.
Mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass unser Mädel neben beidseitiger HD und Arthrose, Spondylose, einem Sehnenschaden nun auch noch das Wobbler- und das Cauda-Equina-Syndrom hatte, machten wir uns auf dem Weg nach Hause und überlegten nun, wie es weiter gehen sollte.
Da Chelsea sehr gut auf die Chiropraktik und die Physiotherapie ansprach, entschlossen wir uns, diesen konservativen Weg weiter zu gehen. Bei der Vielzahl ihrer Erkrankungen am Bewegungsapparat und der vorhandenen Blutgerinnungsstörung wäre es nicht sinnvoll gewesen, überhaupt einen Gedanken an eine Operation zu verschwenden.
Wo hätte man bei ihr denn anfangen sollen? Und wie groß wäre das Risiko bei evtl. Operationen gewesen? Hätte sie sie überhaupt überlebt?
Chelsea sollte den Rest ihres Lebens nicht mit Operationen, Komplikationen und Reha verbringen müssen. Auch die Tierärzte rieten davon ab.
Also gab es weiterhin Massagen, diverse hundephysiotherapeutische Übungen speziell für neurologische Probleme, weitere Nahrungszusätze für die Nerven und und und.
Außerdem bin ich mit ihr zu einer Tierärztin gefahren, die sie mehrfach akupunktiert hat. Da Chelsea anfänglich therapiebegleitend noch Schmerzmittel bekam, versuchte ich auch auf dem Gebiet nach einer Alternative zu suchen. Auch hat ein von mir veranlasster Bluttest zur Kontrolle der Organwerte gezeigt, dass Chelsea inzwischen eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt hatte und hierfür dauerhaft Medikamente benötigte.
Zusätzlich ließ ich für sie ein spezielles Hundegeschirr anfertigen, welches auch eine Unterstützung der Hinterhand erlaubte. So merkte Chelsea recht schnell, dass ich sie im Falle einer Unsicherheit festhalten konnte und sie traute sich recht schnell wieder zu laufen.

Chelsea kämpfte sich also auch hier wieder ins Laufen zurück und nach anfänglichen 3 - 5 mal täglich 5 Minuten Laufen konnte sie nach wenigen Wochen wieder bis zu 45 Minuten am Stück laufen. Sie war fast wieder so fit, wie vor den Diagnosen Wobbler und CES. Bei unseren 4 - 5 Spaziergängen am Tag konnten wir 2 - 3 mal bis zu 45 Minuten laufen. Chelsea hatte wieder viel Spaß, ging am Stall regelmäßig ihren Lieblingsbeschäftigungen, dem Mäuselöcherbuddeln und durch´s hohe Gras springen nach. Auch wenn es aus gesundheitlicher Sicht sicherlich nicht ideal war, ließ ich ihr diesen Spaß.
Ich wollte sie nicht völlig in Watte packen, denn Mobiltät und Spaß an der Bewegung bedeutet schließlich für einen Hund Lebensqualität.
So bekam Chelsea täglich ihre Therapieeinheiten, die von der Chiropraktik-Tierärztin und während der Hundephysioausbildung kontrolliert wurden. Die Tierärztin konnte schon nach wenigen Sitzungen nicht mehr viel für Chelsea tun. Meine eigene Reha war so erfolgreich, dass sie uns als "gesund und geheilt" nach Hause schickte.
Chelsea lief also ab Sommer 2007 wieder völlig ohne Probleme lachend und schwanzwedelnd durch die Gegend.
Meine zu der Zeit noch laufende Ausbildung hatte sich schon mehr als bezahlt gemacht und der erfolgreiche Abschluß der Ausbildung mit tierärztlicher, physiotherapeutischer, schriftlicher und praktischer Prüfung im Februar 2008 war dann nur noch eine Formsache.
Damit es bei Chelseas beschwerdefreien Zustand blieb, beschloss ich im März 2008 eine Fortbildung in der Wirbelsäulentherapie nach Dorn zu machen. Susanne Schmitt vom Dorntherapiezentrum in Köln bot inzwischen auch Kurse für die Dorntherapie bei Hunden an.
Also nahmen Chelsea und ich an einem dieser Kurse teil und so konnte ich entstehende Wirbelblokaden schon im Ansatz erkennen und behandeln.
Ihre Vorbelastung durch das Wobbler-Syndrom und durch das CES bereiteten zu diesem Zeitpunkt absolut keine Probleme mehr.

  • Achillessehnenverknöcherung und 2. Achillessehnenriss/Abriss der Fersenbeinkappe

Allerdings zeichnete sich im Winter 2007/2008 ein anderes gesundheitliches Problem ab.
Chelseas rechte Hinterpfote begann eine leichte spitze Pfotenstellung einzunehmen. Die zu Rat gezogenen Tierärzte vermuteten darin nun doch eine Verschlechterung der neurologischen Probleme. Ich selbst kam aber zu dem Schluss, dass es sich um eine Sehnenverkürzung handeln musste. Chelseas Symptome waren nicht neurologischer Natur, sondern es war eine mechanische Problematik, die die vollständige Streckung der Pfote verhinderte. Dies zeigte sich nicht nur im Stehen, sondern auch, wenn sie rücklings auf dem Rücken auf dem Sofa lag. Das Achillessehnenbein war auch im entspannten Ruhezustand nicht so weit abgewinkelt wie das gesunde rechte Bein. Die Ursache darin sah ich in den schlecht verheilten Drucknekrosen, die 2004 durch den Achillessehnenriss entstanden waren.
Sie waren ja damals nicht wirklich gut verheilt, sondern es bildete sich ein Häutchen, welches mit dem Fersenbein verwachsen war und somit die Beweglichkeit der Sehnen und Funktion der Schleimbeutel behinderte.

Unter der Haut, im Knochen des Fersenbeins rumorte es die ganzen Jahre weiter. Das Fersenbein, welches auch nekrotisiert war, baute sich langsam wieder auf und schien mit der Achillessehne im Ansatz zu verknöchern. Meine Theorie wurde belächelt, aber für mich war eine beginnende Sehnenverkürzung völlig ersichtlich. Ich bestand also darauf, dass Chelseas Sprunggelenk geröntgt wurde und es stellte sich heraus, dass ich recht behalten sollte.

Die Achillessehne war in ihrem Ansatz am Fersenbein verknöchert, was auf dem Röntgenbild sehr deutlich zu sehen war. Dadurch waren die Achillessehne und auch die tiefe Beugesehne in ihrer Funktion eingeschränkt und Chelsea konnte die Pfote nicht mehr richtig durchstrecken.
Zum Glück behinderte die leichte Spitzpfotenstellung Chelsea nicht wirklich und ich konnte mit der Physiotherapie verhindern, dass sich der Zustand verschlechterte.
Chelsea konnte das Jahr 2008 noch einmal in vollen Zügen genießen.
Eine Fachfortbildung in der "Akupunktur (TCM)für den Bewegungsapparat", die ich Ende 2008 gemacht habe, sollte dazu beitragen, dass Chelseas guter und vor allem schmerzfreier Gesundheitszustand noch recht lange anhält.

Ende Januar 2009 passierte dann das, wovor ich mich immer gefürchtet hatte.
Die Achillessehne ist zum zweiten Mal gerissen.
Das geschah ganz unspektakulär am Stall, als Chelsea plötzlich aufgesprungen ist. Sie machte keinen Mucks, sondern stand auf einmal nur dreibeinig da.
Ich habe sie sofort untersucht, ahnte schon, was passiert war und bin dann direkt mit ihr zum Tierarzt gefahren. Dort wurde geröntgt und man erkannte auf dem Röntgenbild, dass die Sehne mit den verknöcherten Ansatz abgerissen war.

Außerdem war die gesamte Fersenkappe instabil, verdickt und heiß. Die Tierärztin wusste sich keinen Rat, eine Operation lehnte sie ab, wusste aber auch keine wirkliche Alternative.
So erkundigte ich mich im Internet nach Möglichkeiten einer konservativen Heilung von Achillessehnenrissen. Ich stieß auf Hunde, denen in vergleichbaren Fällen Spezialorthesen angefertigt wurden. Dies sind Schienen, die dem Hund zur Stabilisierung des Sprunggelenkes wie eine Art Bandage angelegt werden.
Zur Absicherung der Diagnose und um mit einem Spezialisten diese Vorgehensweise zu besprechen, bin ich mit Chelsea in eine renommierte Kleintierklinik gefahren. Dort wurde sie noch einmal ausführlich untersucht und wir besprachen alle in Frage kommenden Möglichkeiten.
Eine Operation, wie 2004 kam nicht mehr in Frage, da nicht nur die Achillessehne, sondern die gesamte Fersenbeinkappe abgerissen war. Eine Spätfolge der Komplikationen von den Operationen von 2004.
Mit einer normalen Operation hätte man keine Stabilität ins Sprunggelenk bekommen. Einzige Möglichkeit wäre gewesen, das Sprunggelenk operativ zu versteifen. Dies hätte aber mehrere Operationen und eine sehr lange Rehabilitationszeit zur Folge gehabt. Das wollten wir unserer, inzwischen ja schon Hundeseniorin nur ungern zumuten.
In Anbetracht unserer Erfahrungen auf diesem Gebiet riet aber auch der Fachtierarzt, zunächst den konservativen Weg mit der Orthese zu gehen.
Chelseas Allgemeinzustand war, den ausführlichen Untersuchungen nach sehr gut. Die Arthrose an den Hüften und auch die anderen Zipperlein machten ihr zu der Zeit keinerlei Probleme, so dass auch ich den alternativen Weg versuchen wollte.
Ich machte einen Termin mit dem Tierorthopädietechniker Pfaff aus. Dort wurde, leider erst Mitte Februar, ein Gipsabdruck von Chelseas Bein genommen. Mit Hilfe dieses Abdruckes wurde eine speziell auf Chelseas Anatomie angepasste Schiene gefertigt. Diese Schiene wurde mit einem künstlichen Gelenk ausgestattet, was Chelsea zwar erlaubte, das Bein zu strecken, aber gleichzeitig auch verhinderte, dass der Hinterlauf durch den Sehnenriss durchtrittig war. Da es bis zur Fertigstellung der Schiene noch weitere drei Wochen dauern würde, bekam Chelsea zur vorläufigen Unterstützung des Sprunggelenkes eine andere Bandage, mit der sie recht gut laufen konnte.
Mein Mädel bewies einmal mehr, dass sie sehr hart im Nehmen war und ließ sich auch durch diese weitere Behinderung nicht einschüchtern.
Zum Glück war sie, nach dem Abklingen der akuten Entzündung direkt nach dem Abriss der Fersenbeinkappe absolut schmerzfrei und war auch weiterhin unser fröhlicher Quatschkopf.
Mitte März war dann die Orthese fertig und Chelsea konnte wieder stabil auf vier Beinen stehen und laufen.

Anfangs war für uns beide der Umgang mit der Orthese etwas merkwürdig, aber wir gewöhnten uns recht schnell daran.
Leider konnten wir einen ausführlichen Praxistest mit der Orthese nicht mehr unternehmen.

  • Mitte März 2009, akute Lähmung, Krebs und der Abschied

Eine Woche vor ihrem Tod am 23.03.09 brach mir Chelsea auf einem Spaziergang plötzlich zusammen. Sie klappte erst mit den Hinterbeinen weg, dann mit den Vorderbeinen und lag komplett ausgestreckt auf der Seite.
Ich war zutiefst erschrocken, dachte ich sofort an den plötzlichen Herztod, den viele Dobermänner aufgrund der dobermanntypischen DCM (Dobermann Kardiomyopathie, eine besonders aggressive Form der Dilatativen Kardiomyopathie) bekamen.
Ich kontrollierte Puls, Atmung und Schleimhäute und bemerkte zu meiner Erleichterung, dass sie noch lebte. So nach und nach kam Chelsea auch wieder zu sich. Ich untersuchte ihre Gelenke nach Verletzungen und kontrollierte die Reflexe, da ich evtl. einen Badscheibenvorfall, einen Rückenmarksinfarkt oder ähnliches vermutete.
Alles schien völlig normal zu sein, vielleicht ja nur ein Kreislaufkollaps aufgrund des plötzlichen extremen Wetterwechsels?
Ich half Chelsea hoch und trug sie zum Auto, da sie noch recht schwach war.
Zuhause war sie wieder völlig normal, als wenn nichts gewesen wäre.
Da mir dieser Vorfall natürlich keine Ruhe ließ, sind wir direkt zu einem Herzspezialisten, der sich besonders mit der DCM auskannte, gefahren. Denn dieses Damoklesschwert des plötzlichen Herztodes schwebte weiterhin über uns.
Die ausführlichen Untersuchungen mit EKG und Ultraschall ergaben, dass Chelsea Herzrhythmusstörungen hatte und wahrscheinlich eine DCM entwickelte. Um die genaue Ursache der Herzrhythmusstörungen heraus zu finden, hätten jedoch weitere Untersuchungen gemacht werden müssen.
Der Tierkardiologe wollte jedoch erstmal einige Tage abwarten und sehen, was passieren würde.
Am gleichen Tag hatte Chelsea noch mal einen leichten Schwächeanfall, von dem sie sich aber ebenfalls recht schnell erholte.
Abends bemerkte man auch, dass sie das erste Mal ein wenig Urin verlor.
Am nächsten Tag verschlechterte sich ihr Zustand sehr langsam. Sie begann vermehrt mit den Beinen zu schleifen und wurde zusehends inkontinent.
Also wieder zum Tierarzt, wo sie erneut auf den Kopf gestellt wurde. Inzwischen war die schleichende Lähmung so weit fortgeschritten, dass Chelseas Hinterhand gelähmt und sie sowohl harn- als auch kotinkontinent war. Eine Ursache für die Lähmung war jedoch nicht feststellbar. Wahrscheinlich ein Bandscheibenvorfall, jedoch in welchem Bereich der Wirbelsäule?
Die Tiefensensibilität und das Schmerzempfinden waren noch vorhanden und so wurde zunächst eine hoch dosierte Kortisontherapie eingeleitet. Da die Tierärztin wusste, dass Chelsea wegen ihrer Gerinnungsstörung nur konservativ therapiert werden konnte, hielt sie auch eine genauere Diagnostik der Lähmung durch Röntgen, CT oder MRT nicht für angebracht.
Es hätte an der Therapie nichts geändert.
Ich wollte jedoch für Chelsea einen Rollwagen zur Unterstützung für die anstehende Physiotherapie anfertigen lassen und daher genau wissen, wo die Ursache der Lähmung lag. Wenn sich ihr Zustand durch das Wobbler-Syndrom so verschlechtert hätte, wäre ein Therapieversuch mit einem Rollwagen sicherlich nicht wirklich sinnvoll und in Chelseas Interesse gewesen.
So bin ich zusammen mit meinem Mann, zur Einholung einer weiteren Meinung, erneut in die Tierklinik Hofheim zu dem Tierarzt gefahren, der Chelsea bereits bei dem Abriss der Fersenbeinkappe untersucht hatte. Auch seine neurologischen Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass eine konservative Therapie mit entsprechender Medikation und täglicher Physiotherapie auf jeden Fall einen Versuch wert waren.
Zu meiner Beruhigung sollte Chelsea zumindest geröntgt werden. Ein CT oder gar MRT mit langer Narkose wären für Chelsea mit ihren beginnenden Herzrhythmusstörungen zu riskant gewesen.
Es wurden also Röntgenaufnahmen von der gesamten Wirbelsäule gemacht. Die Wirbelsäulenbilder bestätigten nur, dass Chelseas Spondylose inzwischen nahezu die gesamte Wirbelsäule betraf. Lediglich der Bereich, wo sie 8 Jahre zuvor goldimplantiert wurde, war nicht betroffen.

Eine genaue Ursache für die Lähmung konnte durch die Röntgenbilder aber auch nicht festgestellt werden.
Leider bemerkte der Tierarzt jedoch leichte Veränderungen im Bauchraum. Also wurde auch dieser noch genau durchgeröntgt. Dabei stellte sich heraus, dass es einige Verschattungen auf der Lunge gab und auch die Milz vergrößert war.
Der Verdacht auf einen bösartigen Milztumor, der bereits Metastasen in der Lunge gebildet hatte, stand plötzlich im Raum. Es folgte eine ausführliche Ultraschalldiagnostik durch die Krebsspezialisten der Klinik und am Ende hieß die Diagnose leider: bösartiges Hämangiosarkom, das bereits Metastasen in die Lunge gestreut hatte.

Die akute Lähmung war nun plötzlich nebensächlich geworden.
Wir standen völlig unerwartet vor der Entscheidung, was weiter mit unserer Prinzessin geschehen sollte.
Eine Operation wäre bei ansonsten gesunden Hunden schon recht aussichtslos gewesen. Das Hämangiosarkom der Milz gehört zu den bösartigsten Krebsarten, die es gibt. Es entsteht sehr schnell und für den Hundehalter völlig unbemerkt. Meist bekommt dieser erst was von dem Krebs mit, wenn es schon zu spät ist, der Tumor bereits rupturiert ist und in den Bauchraum blutet. Das war bei Chelsea zwar noch nicht der Fall, aber es wäre nur eine Frage von wenigen Tagen gewesen, dass der Tumor geplatzt und sie innerlich verblutet wäre.
Eine Operation, bei der die Milz entfernt worden wäre, war in Anbetracht von Chelseas Blutgerinnungsstörung, der Herzrhythmusstörungn und der bereits vorhandenen Metastasen nahezu aussichtslos. Außerdem hätten wir Chelsea wegen der Lähmung immer im OP-Bereich hochheben müssen, wenn sie denn das Wunder geschafft und die Operation überlebt hätte.
Und dann wäre sie für die kurze Zeit, die ihr evtl. noch verblieben wäre, gelähmt gewesen.
Nein, das hatte unsere Prinzessin nicht verdient. Sie hatte trotz ihrer Zipperlein ein sehr schönes Hundeleben und sollte somit auch einen "schönen Tod" haben und nicht auf dem OP-Tisch oder zuhause verbluten müssen.
Wir entschieden uns schweren Herzens Chelsea den Weg über die Regenbogenbrücke gleich an Ort und Stelle zu erleichtern. Sie zum Abschied noch mit nach Hause zu nehmen und sie dort einschlafen zu lassen, wäre wegen der Möglichkeit des jederzeit platzenden Tumors zu gefährlich gewesen.
Chelsea schlief ganz schnell und ruhig ein und wurde im Kleintierkrematorium "Im Rosengarten" eingeäschert. Ihre Urne steht nun an einem schönen Platz im Wohnzimmer mit Blick auf die Terasse.

Diese 9 Jahre mit unserer Prinzessin haben mich sehr geprägt und werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Sie hat mir eine Menge beigebracht, wegen ihr habe ich meine Berufung gefunden. Dafür bin ich meinem Mädel sehr dankbar.
Sie war mein Seelenhund und fehlt mir unendlich.
Ob es jemals einen Hund geben wird, der nur annähernd einen ähnlichen Platz in meinem Herzen haben wird, weiß ich nicht.
Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird.